daniela.simkova
Joined: 01 Oct 2007 Posts: 13
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Posted: Sun Oct 07, 2007 11:37 am Post subject: Arbeitsmarkt ist wie leer gefegt |
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Osteuropa. Deutsche Unternehmen kämpfen in Osteuropa um Arbeitskräfte. Eine Exklusivstudie zeigt die Tücken der Personalsuche in dem Wachstumsmarkt.
Acht Augenpaare blicken auf Jan Kopecky. Der gebräunte Manager mit der Gelfrisur lächelt. Mit warmen Worten erzählt der Recruiting-Experte den jungen Tschechinnen vom Arbeiten und Geldverdienen bei Siemens. Die Mädchen gehen in Kürze als Au-pairs ins Ausland und werden anschließend fließend Deutsch oder Englisch sprechen. Dann sollen sie in Siemens’ Prager Verwaltung anfangen. Sprachkenntnisse sind auf dem tschechischen Arbeitsmarkt eine begehrte Qualifikation. Viele europäische Konzerne bündeln hier in Servicezentren Tätigkeiten wie Lohnbuchhaltung und Reiseabrechnung, um Kosten zu senken.
Doch die Sache hat einen Haken: Der Arbeitsmarkt ist wie leer gefegt. Mittel- und Osteuropa boomen. Ausländische Unternehmen haben seit dem Ende des Kommunismus mindestens 500 Milliarden Euro in der Region investiert – und kräftig Personal eingestellt. Die Deutschen, die jetzt dank des Konjunkturaufschwungs mit Aufträgen überschüttet werden und ihre Produktion im Osten ausbauen wollen, trifft der Fachkräftemangel besonders.
Personalknappheit sei inzwischen „das größte Wachstumshemmnis in den östlichen EU-Ländern“, sagt Nenad Filipovic, stellvertretender Direktor der IEDC Bled Business School in Slowenien. Dem Volkswagen-Chef Martin Winterkorn hat der Notstand bereits zu einem blumigen Titel verholfen: Er darf sich Ehrenbürger der Technischen und Wirtschaftswissenschaftlichen Universität Budapest nennen. Weil sich die VW-Tochter Audi bei der Suche nach Ingenieuren, Managern und Facharbeitern für ihr Werk im ungarischen Györ schwertat, gründete Winterkorn noch als Audi-Chef ein Forschungs- und Lehrinstitut an der Universität. Dort werden nun Ingenieure nach Audi-Vorgaben geschult.
Immer mehr Unternehmen leisten sich Ausbildungsprogramme und kooperieren mit Hochschulen. Die tschechische VW-Tochter Skoda gründete eine Hochschule für Ingenieurwissenschaften, Management, Recht, Marketing, Finanzbuchhaltung und Fremdsprachen. Audi führte an ungarischen Berufsschulen Ausbildungsberufe nach deutschem Vorbild ein, etwa den Mechatroniker. Siemens steckt jährlich mehrere Hunderttausend Euro in Kooperationen mit tschechischen Hochschulen.
Wie nötig solche Anstrengungen sind, belegt eine Studie der Personalberatung Kienbaum, die der WirtschaftsWoche exklusiv vorliegt. Die Berater fragten 187 überwiegend deutsche Unternehmen in Tschechien, Ungarn, Polen und der Slowakei nach den Erfahrungen auf den lokalen Arbeitsmärkten. Danach haben Unternehmen in Ungarn die größten Schwierigkeiten, Fach-, aber auch ungelernte Arbeiter für die Produktion zu finden. Führungskräfte fehlen besonders in der Slowakei. Tschechien bietet in beiden Personalgruppen relativ gute Bedingungen, Polen liegt im Mittelfeld.
Schwierig sind auch Forschung und Entwicklung, IT und Controlling. Am schlimmsten sieht es in der Slowakei aus: Mehr als zwei Drittel der befragten Firmen haben dort Not, Ingenieure für Forschungs- und Entwicklungslabors zu finden.
Tschechien schneidet zwar besser ab. Petr Hruska, Geschäftsführer bei Kienbaum Tschechien, warnt Investoren jedoch, sich vom guten Angebot etwa bei Verwaltungspersonal täuschen zu lassen: „Unsere technischen Universitäten haben freie Plätze, aber immer weniger junge Menschen interessieren sich für diese Fächer.“
Mittelständlern, von denen viele als Neulinge in die Region kommen, rät
Hruska, sich nicht auf geschönte Informationen der staatlichen Außenwirtschaftsagenturen zu verlassen: „Erkundigen Sie sich bei Unternehmen, die schon hier sind.“
Ohne Erfindungsreichtum geht nichts. Unter dem Slogan „Pizza mit Siemens“ lädt Siemens-Personalmanager Kopecky Studenten technischer Fächer zum Kennlern-Imbiss ein. Audi lässt in Ungarn Studententeams Ingenieuraufgaben aus der Praxis lösen. Die Sieger des Wettbewerbs dürfen ein Wochenende lang im TT-Roadster durchs Land brausen. Und um Leistungsträger zu schützen, trainiert Audi seine Sekretärinnen im Abfangen von Headhuntern am Telefon.
Aggressive Abwerberei und überzogene Lohnangebote hält Kienbaum-Berater Hruska für brandgefährlich: „Damit riskieren die Unternehmen eine Gehälterspirale, die sie nicht mehr stoppen können.“
Loyalen Nachwuchs zu fördern, ist Andras Turis Rezept gegen Verlockungen der Konkurrenz: „Entwicklungsangebote machen“, rät der Ungarn-Chef der deutschen Möbelmarkt-Kette Sconto. Engagierte Lagerarbeiter schult er zu Verkäufern um, aus pfiffigen Sachbearbeitern in der Warenbuchführung macht er Einkaufsmanager.
Personaler Kopecky wird erst in einem Jahr wissen, ob sein Auftritt die Au-pair-Mädchen für die Arbeit bei Siemens in Prag begeistern konnte. Dann kehren die jungen Frauen nach Tschechien zurück. „Wenn nur eine von ihnen zu uns kommt“, sagt Kopecky, „dann war die Präsentation ein Erfolg.“ |
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